29. März 2008 - Hellweger Anzeiger - von Thorsten Teimann
Zuschauer zahlen sich richtig aus
Ab kommenden Sonntag müssen die Besucherzahlen gemeldet werden
Kreis Unna ■ Besonders ab dem kommenden Sonntag zählt beim Amateurfußball jeder Zuschauer. So zumindest wünscht es
sich die Ständige Konferenz des Fußball-Verbandes Westfalen, die die Schiedsrichter angewiesen hat, bis einschließlich 20. April die aktuellen
Zuschauerzahlen einer jeden Begegnung auf dem Spielberichten zu vermerken.
Erste kritische Vereinsfunktionäre sehen bereits wieder den "Sportgroschen" auf sich zukommen. Die Redaktion des Hellweger Anzeiger sprach
mit dem Vorsitzenden des Fußballkreises Unna-Hamm, Horst Weischenberg, über die Aktion und dessen Hintergrund.
HA: „Warum sollen die Schiedsrichter urplötzlich die Zuschauerzahlen bei Amateurpartien schätzen und dokumentieren?“
Weischenberg: „Die Ständige Konferenz - eine Zusammenkunft aller Kreisvorsitzenden des Verbandes Westfalen - hat am 12. Februar entschieden, dass
so eine Art Probelauf auf Amateurebene vom Stapel laufen soll. Der Hintergrund ist doch wohl klar: Da soll wieder Geld, diesmal für eine Stiftung
Jugendfußball, eingespielt werden. Es ist angedacht, dass die Vereine in Zukunft pro Zuschauer einen Obulus zahlen.“
HA: „Da machen die heimischen Vereine ja förmlich einen 'Luftsprung', wo doch gerade die Verbandsgebühr um 100 Prozent angehoben wurde!? Das
wird doch langsam zu viel, oder?“
Weischenberg: „Das ist auch meine Meinung. Deshalb werde ich bei der nächsten Sitzung nicht für solch eine Erhebung stimmen. Es kann nicht
sein, dass die Vereine noch mehr wie eine Kuh gemolken werden. Wir reden hier ja nicht über den so genannten Sportgroschen. Geplant sind 50 Cent pro
Zuschauer.“
HA: „Wie sollen sich die Vereine jetzt verhalten?“
Weischenberg: „Naja , vor allem sollten sie erstmal ab Sonntag mit den Schiedsrichtern zusammen die Erhebung der Zuschauerzahlen in die Hand
nehmen. Machen wir uns doch nichts vor, bei einem Spiel der ersten Mannschaft befinden sich doch auch noch die beiden Teams und deren Fans auf der
Anlage, die die Partie zuvor ausgetragen haben. Die haben doch meist gar kein Eintrittsgeld bezahlt. Was ist mit den Frauen und Kindern? Die haben
oft freien Eintritt. Die heimischen Clubs müssen jetzt auf jeden Fall wachsam sein.“
HA: „Was wäre ihrer Ansicht nach eine bessere Lösung?“
Weischenberg: „Zunächst einmal glaube ich nicht, dass Mittel aus dieser so genannten Stiftung Jugendfußball unten bei den kleinen Vereinen
ankommen. Damit werden doch wohl der Bundesliga-Nachwuchs und die Leistungszentren gefördert. Warum soll dann der kleine Verein zur Kasse gebeten
werden? Besser ist es dann doch, wenn jeder Club der einen Spieler zum Vertragsamateur macht, eine Extraabgabe an den Verband zahlt.
Meine Güte, durch den Vertragsamateur-Status sparen die finanzkräftigen Vereine kräftig an Ablösesummen. Selbst dann noch, wenn sie
den einen oder anderen Euro zusätzlich in die Stiftung zahlen würden.“
